Dienstag, 2. September 2008

Liga 03: SC vs Hansa Rostock

Rostock in Freiburg, das heißt vor allem eines: mindestens ein Punkt ist uns sicher! Noch nie hat der SC zuhause gegen Rostock verloren, allerdings hätte es statistisch gesehen gestern abend die erste von sechs aufeinander folgenden Heimspielniederlagen gegen Hansa geben müssen: In 12 Begegnungen der beiden Mannschaften zuvor hat zuerst sechsmal Freiburg gewonnen bevor es sechs Unentschieden zuhause gab. Aber: Statistik ist nicht das echte Leben, so who cares?

Bevor ich zum Spiel komme erst einmal eines: Respekt an die mitgereisten Fans aus Rostock: Bei Euch kann sich so manch anderer Möchtegern-Ultra aus dem Kindergarten eine Scheibe abschneiden! Wer an einem Montag fast 1000 Kilometer zu einem Fußballspiel fährt von dem er so gut wie sicher sein kann dass die eigene Mannschaft nicht gewinnt ist wirklich mit dem Herzen dabei.

Zum Spiel! Anstatt eines durchlaufenden Textes gibts heute mal ein paar kurze Einzelkritiken für ein paar der Teilnehmer.

SIMON POUPLIN: Folgenden Satz habe ich gerade für ihn aus dem Set "Der kleine Satzbaukasten für Sportreporter - Neu! Jetzt mit noch mehr Klischees und Sätzen die sie schon 1000 mal gehört haben!" gefischt: "Er bekam nicht viel zu tun, aber wenn er gefordert wurde war er zur Stelle". Meine Lieblingsszene: sein fast-Scorerpunkt nach einer weiten Vorlage auf Jäger. Komisch: seine gelbe Karte fand wohl nur der Schiedsrichter amüsant.

HEIKO BUTSCHER: Sehr starke Leistung, der hat sich echt gemacht: man merkt dass er unbedingt gewinnen will. Solide Leistung in der Defensive zusammen mit Krmas (Rostock war eigentlich das ganze Spiel über nicht ein einziges Mal im Freiburger Strafraum) und gezielte Akzente nach vorne (der Angriff unmittelbar vor dem Freistoss zum 1:0 endete mit einem Foul an Butscher auf der rechten Seite.). Guter Mann, weiter so!

EKE UZOMA: Sehr engagierte Leistung, er ist wohl von allen Akteuren auf dem Platz am meisten gerannt. Wurde das ein oder andere mal so hart attakiert wie einst Pitroipa. Für ein perfektes Spiel muss er noch die Balance zwischen Abspiel und Abschluss finden: zwei mal überhastet geschossen und einmal kurz vor Schluss zu lange gewartet und im Strafraum den Ball verloren. Insgesamt wieder eine starke Partie.

YACINE ABDESSADKI: Gefällt mir von Spiel zu Spiel besser, obwohl der ein oder andere Fehlpass und unnötige Ballverlust dabei war. Manchmal habe ich den Eindruck er denkt zu schnell für seine Mitspieler und spielt einen Ball intuitiv dorthin wo es gefährlich werden würde- wenn der Mitspieler den selben Gedanken gehabt hätte... Aktionen die für Gegner UND Mitspieler überraschend wirken sehen leider fast immer ziemlich albern aus. Trotzdem: Er hat ein sehr gutes Spielverständnis und erinnert mich ab und zu an Zoubaier Baya einst.

MO IDRISSOU: *seufz* Kann sich jemand an Julio Cesar erinnern? Präziser: Kann sich jemand an den Julio Cesar erinnern der in den 90ern bei Borussia Dortmund in der Verteidigung gespielt hat? Ich fand ihn damals ziemlich cool weil er sehr oft mit angelegten oder hinterm Rücken verschränkten Händen in Zweikämpfe gegangen ist. Dass Idrissou mit seinem exzessiven Armwedeln einmal einen Spieler verletzt ist nur eine Frage der Zeit, das ist echt nervig: bei einem Kopfballduell wäre es zB sinnvoll wenn der Kopf nach dem Sprung an der höchsten Stelle ist statt der Ellenbogen... Auch bin ich langsam ziemlich genervt von dem Phänomen dass quasi alle Bälle die man in seine Richtung spielt mindestens drei Meter wieder abprallen bevor sie unter Kontrolle gebracht werden: Ballannahme mangelhaft! Ich hab mich eine halbe Stunde lang nur über ihn aufgeregt gestern, und dann war er beim Freistoß zur richtigen Zeit am richtigen Ort und der Ball ist in die richtige Richtung abgeprallt: perfekt!

ROBIN DUTT: Vor der Saison hat er in der Stadionzeitung vom spanischen Spiel bei der Europameisterschaft geschwärmt: die Spanier spielen bis zum Schlusspfiff Forechecking und machen es einem Gegner 90 Minuten lang schwer ins Spiel zu kommen. So wie der SC gestern gespielt hat war zu erkennen dass man kein Spanier sein muss um so zu spielen: stetige Überzahl in Ballnähe und eine gelungene Angriffsverteidigung haben dazu geführt dass Rostock nicht ein einziges mal im Freiburger 16er aufgetaucht ist. Ein wenig Feintuning ist noch nötig (wenn man in den letzten 20 Minuten einen Konter konsequent zu ende gespielt hätte wäre es für alle ein wenig kreislaufschonender gewesen), aber: die Mannschaft ist auf einem guten Weg.

SCHIEDSRICHTER GAGELMANN: In meinen Augen der schlechteste Mann auf dem Platz! Zwar gab es keine einzige gravierende Fehlentscheidung, aber durch seine Art und sein Auftreten hat er mich gestern echt aufgeregt. Statt zB nach einem unsauberen Zweikampf kurz mit den Spielern zu reden und seine Position klar zu machen hat er sich mit allen Spielern konsequent lauthals schreiend unterhalten, was eher kontraproduktiv wirken kann: wenn mich jemand 90 Minuten lang anschreit sehe ich eher einen Clown als eine Autoritätsperson in ihm. Dazu viele undursichtige Kleinlichkeiten wie die gelbe Karte gegen Pouplin kurz vor einer Auswechslung und bei einem Bodycheck mit Anlauf keinen Freistoss geben, sehr komisch. Ich empfehle eine ausgiebige Videoanalyse und ein Antiaggressions-Training. ;)

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Das Spiel im Überblick:

SC Freiburg: Pouplin - Schwaab, Butscher, Krmas, Schlitte - Flum (79. Barth), Uzoma - Abdessadki (75. Glockner), Idrissou (70. Schuster), Jäger, Türker

FC Hansa Rostock: Hahnel - B. Lense, Orestes, Gledson, Rahn (46. Pearce) - Retov, Rathgeb (65. Yelen) - Schindler, Lechleiter - Kern (46. Bartels), Dorn

Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)

Tore: 1:0 Idrissou (35.)

Zuschauer: 15000

Rote Karten: keine
Gelb-Rote Karten: keine
Gelbe Karten: Schwaab, Idrissou, Pouplin, Barth - Retov, Rahn

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Welpenschutzfaktor: Uzomas Unsicherheit in der Frage "Abspielen oder selber schießen?" fällt für mich in die Kategorie "er ist ja noch jung".




Mo Idrissou wartet auf den Ball.

Dienstag, 26. August 2008

Liga 02: Osnabrück vs SC

Wegen eines Kurzurlaubs hier nur das Spiel in Kürze:

VfL Osnabrück: Wessels - Engel, Cichon, Anderson, Schäfer - Surmann (81. Peitz), Heidrich - de Wit (69. Fuchs), Grieneisen, Manno (88. Sykora) - Reichenberger

SC Freiburg: Pouplin - Schwaab, Butscher, Toprak, Schlitte - Günes (70. Flum), Uzoma - Abdessadki (85. Schuster), Idrissou, Jäger, Türker (73. Glockner)

Schiedsrichter: Perl (München)

Tore: 1:0 Reichenberger (49.), 1:1 Jäger (51.), 1:2 Butscher (65.), 2:2 Surmann (67.)

Zuschauer: 14.730

Gelbe Karten: Manno, Cichon, Schäfer - Türker

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ein 2:2 zum ersten Auswärtsspiel nach einem Heimsieg zum Auftakt sind ein schicker Start in die Saison, momentan auf Platz 3 zu stehen ist auch wesentlich angenehmer als nach 34 Spieltagen auf dem selben, auf Relegationsspiele mit meiner Mannschaft als Teilnehmer hab ich irgendwie keine wirkliche Lust. Letzte positive Bemerkung zum Osnabrückspiel das ich nicht gesehen habe: die Mannschaft fährt wieder mit der Bahn zu Auswärtsspielen, vorbildlich! ;)

Montag, 18. August 2008

Liga 01: SC vs 1860 München

Freiburg gegen München, ein Spitzenspiel zum Auftakt, wie man allerorten lesen konnte. Nur: der TSV 1860 München ist laut Statistik die schlechteste Mannschaft des Kalenderjahres 2008 im Profifußball, und wir haben die vergangene Saison immerhin mit dem schlechtesten Endergebnis der letzten 17 Jahre abgeschlossen... Da kann man mal wieder sehen wie albern Statistiken sein können! ;) Für mich sind Spiele gegen 1860 vor allem "Spiele mit den absurdesten Toren im überraschendsten Moment aus mindestens 20 Meter Entfernung", aber diese Kategorie habe ich in keiner Statistik-Datenbank gefunden.

Zum Spiel: nach einem ersten Schock für Freiburg mit einem Kopfball von Daniel Bierofka knapp über das Tor nach ein paar Sekunden (da wäre schon fast das erste kuriose Tor aus dem nichts gewesen...) gab es erst einmal eines: 20 Minuten Fehlpässe vom feinsten, glücklicherweise und zur Erheiterung des Publikums auf beiden Seiten. Auch in dieser Phase konnte man allerdings bereits sehen dass Robin Dutt daran arbeitet das Mittelfeld schneller zu überbrücken und nicht so spielen lässt wie in der letzten Saison, als ich öfter mal das Gefühl hatte dass die Mittelfeldspieler zu viel Beruhigungstee trinken. Nach einem Versuch von Lauth de Pouplin nicht durch liess waren die Freiburger scheints geweckt: Ali Günes traf mit einem sehenswerten Fernschuss in der 28. Minute zum 1:0, nur kurz nachdem Jäger einen Volleyaufsetzer knapp über die Latte jagte. Man hatte gar nicht genügend Zeit sich darüber zu freuen dass der SC nun weiter offensiv spielen würde schon stand es 1:1 - Lauth erzielte mit dem Ausgleichstreffer in der 31. Minute zugleich sein zweites Tor im zweiten Pflichtspiel für seinen neuen alten Verein.

In der Folge schlief das Spiel wieder ein wenig ein, alle nahmen sich schon vor der Halbzeit eine kleine Auszeit. Die scheint allerdings geholfen zu haben, denn zu Beginn der zweiten Halbzeit spielten beide Mannschaften mit höherem Tempo als in den ersten 45 Minuten: leichte Vorteile hier für den SC, vor allem die zwei, drei Aktionen von Suat Türker nach ca. einer Stunde haben mir gefallen. Nur: wenig Chancen, noch weniger Tore... Bis zur 66. Minute in der es endlich zum üblichen kuriosen Tor kam, das in einer Partie Freiburg gegen 60 München einfach fallen MUSS: Nach einem Eckball freuen sich alle Freiburger im Strafraum als hätten sie gerade persönlich das Tor des Monats erzielt, der Torschütze war allerdings ein gewisser Herr Ghvinianidze mit einem astreinen Eigentor. Naja, zumindest dem Namen nach könnte er ein SC-Spieler sein...

Ein paar Minuten halbherzige Offensive (inklusive ein paar der von mir nicht gerade heiß und innig geliebten langen Blle hinten raus...) in denen es den Münchnern nicht gelang noch einmal Druck aufzubauen und den Freiburgern im Gegenzug allerdings auch nicht den endgültigen Entscheidungstreffer zu erzielen, und fertig war der erste Heimsieg in der neuen Saison: 2:1 gegen 1860 München! Zum Schluss noch ein Schmankerl für die Freunde der Statistik: das 2:1 war bereits das 5. Eigentor eines 60ers im Kalenderjahr 2008, da scheint irgendwas falsch gepolt zu sein... ;)

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Das Spiel im Überblick:

SC Freiburg: Pouplin - Schwaab, Butscher, Krmas, Schlitte - Flum, Uzoma - Abdessadki (83. Barth), Günes (68. Idrissou), Jäger, Türker (78. Bechman)

TSV 1860 München: Tschauner - Johnson (82. Di Salvo), Ledgerwood (62. S. Bender), Ghvinianidze, T. Hoffmann - Beda, L. Bender (74. Gebhart), D. Schwarz, Bierofka - Lauth, Kucukovic

Schiedsrichter: Marc Seemann (Essen)

Tore: 1:0 Günes (28.), 1:1 Lauth (31.), 2:1 Ghvinianidze (66. Eigentor)

Zuschauer: 17000

Rote Karten: keine
Gelb-Rote Karten: keine
Gelbe Karten: Benda

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Welpenschutzfaktor: Bei diesem Spiel musste niemand in Schutz genommen werden, eine solide Leistung und ein guter Start in die neue Saison.

Samstag, 9. August 2008

DFB-Pokal 01: Unterhaching vs SC

Deutschland gegen Polen - Nürnberg gegen Wolfsburg - Schweiz gegen Türkei - Unterhaching gegen Freiburg. Was haben all diese Spiele gemeinsam? Richtig! Eine Menge Wasser von oben... Die erste Runde im DFB Pokal, der SC Freiburg spielt bei der Spielvereinigung Unterhaching, einer Mannschaft die dem SC in den letzten 100 Jahren -vorsichtig optimistisch ausgedrückt- nicht unbedingt gelegen hat. Immer wieder gerne erinnere ich mich zum Beispiel daran wie Volker Finke einst wütend mit einem Regenschirm aufs Spielfeld rannte um den Schiedsrichter rhythmisch winkend bei seiner Arbeit zu unterstützen. Aus spielerischer Sicht waren die Treffen vor den Toren Münchens allerdings stets weniger erinnernswert... Auf das Spiel gestern habe ich mich trotzdem gefreut: eine neue Mannschaft ist immer spannend, auf Bechmann, Türker und Pouplin bin ich persönlich sehr gespannt und man kann den Pokal nun zum ersten mal in voller Länge auf premiere anschauen, ist also nicht auf den Videotext, SMS vom "Ich-fahr-zu-jedem-Spiel"-Nachbarn im Stadion oder eine Reise in die Provinz angewiesen um zu sehen was der Verein so treibt.

Da sitzt man dann also vor dem Fernseher, und kaum ist die erste große Frage der neuen Saison einigermaßen beantwortet ("Werden wir es hinbekommen dass auch Türker glasklare Torchancen auslässt sobald er für Freiburg aufläuft?" - nach der 10. Minute und einer weiteren Aktion über eine Stunde später in der 19. Minute steht fest: wir sind auf einem guten Weg!) wird das Spiel wegen sintflutartiger Regenfälle (es geht doch nichts über die guten alten Formulierungen aus dem Satzbaukasten für angehende Sportjournalisten...) wieder abgebrochen. Die Premiere-Jungs werden ganz schön geflucht haben: da haben sie sich wochenlang darauf gefreut dass sie von Ismaning nach Unterhaching die kürzeste Anreise haben, und dann gehen zwei Spiele ins Elfmeterschießen und beim eigenen Spiel laufen immer noch die 90 Minuten runter: war wohl nichts mit früh ins Bett kommen...

Nach einer schier endlosen Unterbrechung mit den üblichen amüsanten Begleiterscheinungen (überforderte Praktikanten interviewen latent genervten Trainer der Gastmannschaft, Zuschauer gehen nach hause, Ultras ziehen sich aus und albern rum, Leute schieben mit Schneeschaufeln Wasser vom Platz) ging es dann doch nach ca. 70 Minuten mit einem Schiedsrichterball und der 12. Minute weiter. Schade nur dass ich da schon in der Konferenzschaltung hängen geblieben bin und nicht mehr sagen kann als: 2 schöne Tore! Gerade das 1:0, schicker Distanzschuss von Jäger, begünstigt durch den glitschigen Boden. Und sonst? Ein Pokalspiel vom SC Freiburg, spannend wie eh und je: manche Dinge ändern sich nie, und das ist doch auch was wert.

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Das Spiel im Überblick:

SpVgg. Unterhaching: Kampa - T. Schulz, R. Bucher, Susak, Schaschko (22. Nagy/46. Bischoff))- O. Fink, Tyce, Villar, Zillner - A. Fink - M. Steegmann (83. Schweinsteiger, der andere.)

SC Freiburg: Pouplin - Butscher, Flum, Schwaab, Schlitte (67. Barth)- Uzoma, Günes – Bechmann (27. Idrissou), Abdessadki, Jäger – Türker (76. Glockner)

Tore: 0:1 Jäger (41.), 2:0 Abdessadki (90.+1.)

Gelbe Karten: Susak, Tyce – Flum, Abdessadki, Schwaab

Zuschauer: 2.800 (zumindest am Anfang, gegen Ende gefühlte 120)

Schiedsrichter: Welz (Wiesbaden)

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Welpenschutzfaktor: Keine Aussage möglich, da es sich bei Unterhaching gegen Freiburg nicht um ein Fußball- sondern eher um ein Glücksspiel gehandelt hat. Und: Der SC hat gewonnen, da braucht man sowieso keine Ausrede...


Fußball im Jahr 2008 - der Klimawandel sorgt bei höchstinteressanten Partien wie Nürnberg gegen Wolfsburg oder Spielen mit Beteiligung der österreichischen Nationalmannschaft wenigstens vereinzelt für etwas Spaß und Unterhaltung.